Samstag, 18. Juli 2015

Portugal 2015: LISSABON (2.Teil)

Weltkultur und Armut pur!

Arm und...
Wenn die Touristen bei Einbruch der Dunkelheit in den Restaurant das Geld für den Verzehr exotischer Tiere ausgeben, liegen nur wenige Meter daneben, oft gut einsehbar vom Gourmettisch, die Menschen, an denen die Millionen von Touristen-Euros vorbeirollen. Nur ein klein wenig außerhalb des Zentrums gibt es kaum noch unbesetzte Hauseingänge und andere erniedrigende Schlafgelegenheiten. Das obere und das untere Foto zum Beispiel habe ich fast vom selben Platz aus geschossen. Klar ist aber auch, das das kein spezielles "Lissabonproblem" ist. Alle Touristenstädte ziehen die Hoffnungslosen an wie ein Magnet, in der Hoffnung, hoffentlich mal nen Euro abzukriegen. Furchtbar ist die Masse dieser Hilf- und Essenslosen. Man kann einfach nicht allen geben und hat ständig ein schlechtes Gewissen....

....reich!
Doch der wahre Tourist sieht über so etwas hinweg. Armut existiert nicht, so lange man selbst Geld hat! Wer mit offenen Augen durch Lissabon geht, wird auch die total verfallen Häuser nicht übersehen, von denen nur die Pattere in Touristenaugenhöhe glitzert und funkelt, die oberen Stockwerke aber bald einstürzen werden. Schaut euch nochmal die Innenstadtbilder im ersten Teil an...
Wahr ist aber auch: Ohne die Millionen von reichen Touristen wäre Portugal und Lissabon ganz verloren. Es ist einer der wichtigsten Industriezweige. Punkt! 
Apropos Restaurant: Gemütlich essen kann man da nicht wirklich. Jedenfalls auf der Straße. Ständig kommt jemand, der einen was verkaufen möchte. Das geht von afrikanischen Schmuck- und Kunstgegenständen bis zum Kokain. Ehrlich. Oder irgend jemand will nur nen Euro für seinen Hund. Musik aller Stilrichtungen wird einem ins Ohr gedrückt. Ob man will oder nicht. Ist die Musik furchtbar, gebe man schnell Geld, dann sind der oder die Musikterroristen auch schnell weg. Ist die Musik gut, warte man...

Im Restaurant braucht man kein portugiesisch zu können, man zeigt auf Bildchen, was man essen möchte.
Foto oben und unten das selbe Gebäude, nur andere Perspektive


Nun gut....Themenwechsel...


Das, was sich in diesem Video (weis gar nicht, wie das auf YouTube kommt!!!) abspielt, ist die Siegesfeier der Sporting-Lissabon-Fans am "Praca de Marques de Pombal". Irgend eine Pokal haben die an diesen Tag gewonnen. Das ist mal ein Autocorso! Oder? Fußball ist auch in Portugal eine Religion. Aber merke: In Lissabon hält man sich aus Diskussionen, die sich nur annähernd in die Richtung "Sporting oder Benfica Lissabon" bewegen, als "Unwissender" sicherheitshalber heraus. Sonst droht Haue... ne Quatsch. 
Themenwechsel nochmal:
Einen kompletten Tag habe ich im Lissaboner Vorort Sintra verbracht. Das ist noch so ein Touristending nur 25 km von Lissabon entfernt (die Zugfahrt hin und zurück ist im Preis der im ersten Teil erwähnten LisboaCard enthalten). Sintra wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe, ja sogar zur Weltkulturlandschaft gekrönt (1995). Sintra hat knapp über 9000 Einwohner, auf die täglich das fünffache an Touristen hereinfallen (und Geld da lassen! Ein Bierchen kostet 7 €) Aber ein Besuch lohnt sich allemal. Es gibt laut Reiseführer 19 Dinge, die man in Sintra gesehen haben muss. Ich habe nur 2 1/2 geschafft. Da sind als erstes das "Castelo dos Mouros", welches ich natürlich zu Fuß erklommen habe. Das war ein gutes Stück Weg bergauf. SEHR steil bergauf. SEHR SEHR steil bergauf. Faule Touristen und solche, die nicht mehr laufen können fahren mit dem Bus hinauf.

Castelo dos Mouros oben aufn Berg
Aber die Aussicht! Ohne Worte. Mit Worten muss ich euch aber warnen. Wer da hoch will, nehme bitte eine Jacke mit. Nicht wie ich. Es war Anfang Juni und ich habe gefroren. Die Burg liegt immerhin 500m über der Umgebung und es weht ein wirklich grausliger Wind. Da wirds kalt nur im T-Shirt! War aber nicht der Einzige, der diesen Fehler gemacht hatte und fror.

500 Meter über dem Meer weht ein eisiger Wind!
Schöne Aussichten in alle Richtungen!
Der zweite Höhepunkt war das Neuschwanstein Portugals. Heißt: Palacio National da Pena. Sieht aus wie Disneyland, es haben aber wirklich Könige drin gewohnt. Und ein Museum ist auch drin und ein herrlicher Park. Echt interessant und wirklich eine Reise wert. Trotz Touristenmassen.

Sieht aus wie Disneyland, isses aber nicht
Das Cruz Alta mit 529 Meter höchster Punkt der Sierra de Sintra ist beliebt bei allen Touristen. Hier sieht man auch mal den Wind.
Zurück in Lissabon habe ich mich wie jeden Abend noch in irgend einen Park mit Biergarten (Die bis 3 Uhr auf haben) gesetzt und zwischen Ureinwohnern das eine oder andere Bierchen geschlürft und dabei spänglich-deutsch-portugisische Gespräche geführt. Etwas entspannendes für Seele und Leber braucht man schließlich zum Tagesabschluss.

Der gemütliche Teil des Tages zwischen Einheimigen
Was habe ich noch alles getan? Den sehr schönen Zoo besucht. Da gibts ne Seilbahn, die um den ganzen Zoo führt und man den Tieren uffn Kopp spucken kann, wenn man will. Ich wollte nicht. Und ne Delfinshow mit Unterhaltungswert gibts auch noch. Die halbe Stunde anstehen an der Kasse inklusive. 
Zoo mit Seilbahn, Delfin und Schneckchen
Na küsst euch schon...
Dann hab ich noch das "Castelo de Sao Jorge" besucht. Von dort hat man eine herrliche Rundum-Aussicht über Lissabon. Kirchen habe ich besucht, ohne zu beten. Gebetet habe ich in der Straßenbahn...
Auf dem Bild unten sieht man nochmal die Ponte de 25. Abril (3km lang), und links daneben die riesige Christo-Rei-Statue (siehe Teil eins!)
Ganz links der Turm ist die Christo-Rei-Statue. 6. größte der Welt! (siehe 1.Teil)
Aufm Castelo de Sao Jorge in mitten Lissabons
Ich könnte noch sooooo viel schreiben über herrliche Plätze, kunstvolle U-Bahnstationen, fahren mit der Schnellfähre, der Metrostreik am ersten Tag, das Essen, den Millionärsort Estoril und und und, aber dann wirds ein Buch. Am besten ihr googelt noch ein bissel über Lissabon, da seht ihr noch all die Dinge, über die ich nicht geschrieben habe, oder die ich gar nicht erst geschafft habe, zu besuchen. 6 Tage waren zu kurz. Und ich hatte nur drei Tage eingeplant! Doch wandern will ich ja auch noch gehen. Das ist sogar mein Haupt-Urlaubs-Anliegen. Bin jetzt nach dem ganzen Großstadt- und Touristentrubel auch ehrlich reif dafür. Ruhe bitte!
Deshalb:

Bis bald im Wald euer Rübezahl!

Ich mit Ponte de Vasco da Gama (17km lang!!!) im Hintergrund

Donnerstag, 16. Juli 2015

Portugal 2015: LISSABON (1.Teil)

Lissabon? Muss man sehen!

Blick von Christo Rei nach Lissabon
Lissabon ist nicht riesig. Aber die Fülle an Sehenswürdigkeiten ist kaum zu überblicken. Das geht in die hunderte, wenn man Museen (über 30!), Parks, tolle Bauwerke, Burgen, Kirchen, und was weis ich noch alles zusammen zählt. Deswegen ist Lissabon bei den Reiseveranstaltern auch unter den ersten Plätzen. Zigtausende Touristen schieben sich gegenseitig durch die Gassen und Bars.

Touristen bringen Geld
Zwischen all den Touristen bewegen sich auch ein paar wenige Portugiesen, die nur dazu da sind, diesen zu dienen oder den Zaster aus den vollen Taschen zu locken. Aber freundlich sind sie sehr. Sogar gegenüber den in Europa inzwischen unbeliebten Deutschen. 
Ich selbst war sechs Tage in Lissabon und Umgebung. Diese sechs Tage reichen gerade eben, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu bewundern.
Richtig geil ist z.B. eine Fahrt mit den alten Straßenbahnen. Die sind im Prinzip ein ganz normales öffentliches Verkehrsmittel, aber die heimliche Attraktion unter den Touristen.

Die Straßenbahn. Ein Abenteuer!
Chaos. Das Foto habe ich von einer 3. Tram aus aufgenommen
So eine Straßenbahnfahrt ist ungefähr wie Achterbahn, vor allem wenn es der Fahrer eilig hat und man drinnen auch stehen darf. Dann gehts mit affenartiger Geschwindigkeit durch Gassen die so eng sind, das man den Leuten die Kaffeetassen durchs Fenster vom Tisch stehlen könnte. Oder das Bier. Am interessantesten sind die Linien 12 und 28. Voll geil. Ich bin einen  Vormittag lang nur Bimmelbahn gefahren. Ich kann euch leider nicht sagen, was eine Einzelfahrt kostet. Ich hatte eine Lisboa-Card. Die kostet 39 Euro und man darf mit der 3 Tage lang ermäßigt Museen und so besuchen und alle (!) öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt benutzen. Busse, U-Bahn, Straßenbahn ob neu oder alt. Alles! Und man erspart sich mit der Lisboa Card das nervige Fahrkarten kaufen an umständlichen Automaten. 
Die Metro ist das wichtigste Verkehrsmittel und das Liniensystem ist le
icht zu begreifen und man kommt schnell überall hin. Zum Beispiel ins ehemalige Expogelände "Parque das Nações".


Centro Commercial "Vasco da Gama"
Hier sieht man das Centro Commercial "Vasco da Gama", über dessen riesiges Glasdach ständig Unmengen von Wasser laufen zur Kühlung.
Oder das zweitgrößte Meeresaquarium der Welt. Spektakulär!

Mehr als nur Meer!
Allein im "Parque das Nações" habe ich eine ganzen Tag verbracht. Es gibt zu viel zu sehen. Auch hier reicht ein Tag eigentlich gar nicht.


Nein! Wir sind nicht in Dubai. Im Hintergrund die Ponte de Vasco da Gama 17 km lang. Das Gebäude ist ein Luxushotel. Die Plattform oben leider geschlossen.
Ein Muss ist auch ein Besuch der riesigen Statue "Christ Rei". Dazu muss man mit der Fähre über den Tejo fahren in den Stadtteil Almada. Von dort folgt man einfach der Ausschilderung. Eine Stunde Fußmarsch muss man in Kauf nehmen. Oder man nimmt ein Taxi oder Stadtrundfahtsbus. Ich bin natürlich zu Fuß hinauf. Ich wollte mir die überwältigende Aussicht verdienen.


Christ Rei mit Aussichtsplattform in 75 Meter Höhe. Die Statue obendrauf ist nochmal 28 Meter hoch.
Im Jesus drin ist ein Aufzug, der den Tourist für 3 Euro zur Aussichtsplattform bringt. Und auch wieder hinunter. Treppen gibts nur für den Notfall. Und ne Kapelle ist auch drin und ein Souvenierladen. Rechnet man den Berg hinzu, befindet man sich ca. 200 Meter über dem Fluss. Die Statue selbst ist die 6.größte der Welt.

Ponte de 25.Abril 3,2 Kilometer lang, Fahrbahn in 70 Meter Höhe, Züge fahren unter der Autobahn
Ein anderes irres Objekt ist der 113 Jahre alte Elevador de Santa Justa, der die Stadtteile Baixa und Chiado verbindet. Wenn man Pech hat, muss man eine Stunde warten bis man rein kommt um die wenige Sekunden dauernde Fahrt zu genießen. Am besten ist es, ab und zu vorbei zu schauen und die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn die Schlange mal kurz ist. Oben gehts dann über einen Steg in eine der ältesten Stadtteile Lissabons.


Elevador "Santa Justa" über 100 Jahre alt
Blick von oben nach unten
Von hier oben ist es nur ein Katzensprung zu den Überresten der Kirche, die als einzige nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami im Jahre 1755 nicht wieder aufgebaut wurde. Drinnen ist auch ein Museum mit Mumien und so.

Mahnmal zum Erdbeben 1755, Igreja do Carmo
Schöne lange Haare
Eigentlich ist es unmöglich, ganz Lissabon in einen einzigen Blog zu packen. Es gibt zu viel zu sehen. Ich werde noch einen zweiten Teil nur über Lissabon schreiben müssen....

Bis bald im Wald, euer Rübezahl...