Eingeborener der Sierra Nevada |
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Die Sierra Nevada im Juni (Übersetzung: Verschneites Gebirge) |
Weil die nächsten Tage für das Gebirge schlechtes Wetter gemeldet war, blieb ich drei Tage in Granada. Vielleicht schreibe ich darüber noch einen extra Blog. Mal sehen...
Am Montag den 2.Juni ging es dann endlich von Granada nach Trevelez. Trevelez ist die höchst gelegene Gemeinde Spaniens. Der Campingplatz auf 1560 Metern Höhe war noch nicht gut besucht. Das gefiel mir. Die Gaststätte bot Frühstück, Mittag- und Abendessen an. Verpflegung gesichert. Einen kleinen Laden gab es auch. Also alles OK.
Gleich am nächsten Morgen machte ich mich auf ins Abenteuer. Drei Liter Wasser im Rucksack und etwas Verpflegung, Kamera, GPS und Wanderkarte. Und zwei warme Jacken. Immerhin wollte ich auf über 3000 Meter. Und da liegt Schnee. Etwas flau war mir schon um die Magengegend. Bissl bekloppt muss ich sein.
Da Trevelez nur ein kleines Nest ist, war ich schnell in der Pampa. Zum Mulhacen führt sogar ein ausgeschilderter Wanderweg. Was soll denn da noch schief gehen?
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7 Stunden? Ein Klacks! Dachte ich da noch.... |
Bach oder Weg? Das ist hier die Frage! |
Noch ne Frage: Kuh oder Stier? |


Etwa zur Mittagsstunde pfiff ich kein Liedchen mehr, sondern auf dem letzten Loch. Und das Ziel war noch weit. Plötzlich tat sich vor mir eine Wand auf mit eingebauten Wasserfall. Apropos Wasser: Das hatte ich längst weggeschüttet und somit das Gewicht des Rucksacks reduziert, denn das Wasser in den vielen Bächen war so klar und lecker, das ich es bedenkenlos trank.
Aber zurück zur Wand mit dem Wasserfall. Ich dachte bei mir, der Weg wird doch nicht etwa irrsinniger Weise direkt da hinauf gehen......leider doch.....er tat es. Teilweise grabbelte ich wie ein Käfer und der Schweiß lief mir in die Augen. Auch Angstschweiß war dabei, weil ich fürchtete, ab zu rutschen.
Die Wand!
Mir wurde klar, das ich den Mulhacen heute nicht mehr erreichen werde. Aber da hinauf wollte ich unbedingt noch. Die Siete Lagunas (Sieben Seen) die laut Karte direkt hinter der Kante sein mussten, wollte ich sehen.
Wenigstens ein Teilziel musste ich erreichen. Eine Stunde brauchte ich für dieses Stückchen Berg. Ihr müsst bedenken, das hier in nun 3000m Höhe die Luft langsam dünn wird. Außerdem war es kalt geworden und statt mir pfiff inzwischen ein kräftiger Wind seinen Flamenco. Unangenehm bei durchgeschwitzten Kleidern. Meine Jacken musste ich beide trotz Schwitzens zum Schutz vor dem Wind anziehen. Alle paar Meter blieb ich stehn und schnappte nach Luft, so steil war es. Ich hatte die Strecke völlig, ja total völlig unterschätzt. Oder mich überschätzt. Egal. Aber über die Kante da oben musste ich noch! Koste es, was es wolle. Und ich schaffte es! Jawoll! ICH SCHAFFTE ES UND ICH WAR STOLZ DARAUF!
Auf dem unteren Bild sieht man im Hintergrund den Mulhacen, ihn zu erreichen war jedoch reine Utopie. "Nur" zwei Kilometer fehlten noch bis dort hin, jedoch mit 400m Höhenunterschied. Da es schon 13:30 Uhr war und ich an den Rückweg denken musste, kehrte ich hier nach einer ausgiebigen Rast um. Vorher tauschte ich die mit Schweiß getränkte Kleidung gegen trockene, die ich zum Glück mit geschleppt hatte.
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So nah und doch so fern: Der Mulhacen |
Ich setzte mich auf einen unbequemen Stein und genoss die Stille. Dann musste ich unbedingt den Schnee anfassen. Unbedingt! Ich wollte den Menschen ja erzählen, das man in Südspanien im Juni Schneeballschlacht machen kann! Und wie ihr seht, erzähle ich keinen Scheiß!
Für einen kurzen Augenblick überlegete ich, ob ich nicht doch noch hinauf klettern sollte, verwarf diesen absurden Plan aber sofort. Ich ließ die Umgebung und die Stille noch etwas auf mich wirken und machte mich schweren Herzens auf den Rückweg. Und der wurde auch nicht leicht!
Mehrere Stunden ging ich auf dem selben Weg bergab, den ich vorher mühseelig hinauf gekraxelt bin. Wir Menschen machen wirklich komische Sachen.
Trotzdem war ich inzwischen wieder gut gelaunt und freute mich über den, wie soll ich sagen, erfolgreichen Misserfolg. Ein Abenteuer war es auf jeden Fall!
10km bergauf und 10km bergab! Und zwar teilweise so steil, das man es fast nicht beschreiben kann. 10km die mir meine Grenzen gezeigt haben. Aber abgeschlossen ist dieses Kapitel noch nicht! Noch nicht.....
Na warte, Mulhacen!
Bis bald im Wald, euer Rübezahl.....