Von Santiago do Cacem nach Süden...
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Lange geplant und trotzdem keine Ahnung, was kommt |
Nach all dem Trubel in Lissabon kam mir Santiago do Cacem schon unheimlich ruhig vor. Ne, unheimlich nicht, nur ruhig. War ungefähr 15:00 Uhr als ich ankam und damit Siesta-Zeit. Und heiß wars. Und trocken....meine Kehle meine ich. Also erst mal in ne Bar, Bier bestellen und nach einem Hotel fragen. Ich fand schnell ein Zimmer gut und billig. Dort musste ich meinen Rucksack erleichtern, denn wie jedes Mal, habe ich auch dieses Mal viel zu viel Kram dabei, z.B. ne Regenjacke und zwei lange Hosen...im Juni...im Süden Portugals...haha...ab damit in ne Kiste mit anderen unnötigen Ballast und per Post nach Hause geschickt. 3 Kilo weniger! Habe schließlich 220 Kilometer vor zu latschen. Da muss man auf Gepäck verzichten! Oder?
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Auf gehts Rübezahl! Noch 220 Kilometer... |
Das Ziel namens "Letzte Bratwurst vor Amerika" vor Augen machte ich mich auf die noch neuen Socken. Was das ist und wo das ist, erfahrt ihr später.
Das heutige Ziel heißt "Vale Seco". Auf gut deutsch: trockenes Tal. 25 Kilometer Weg bei über 30°C. Na dann mal prost. Keine Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs laut Wanderführer. Das traf übrigens auf fast alle Etappen zu. Zum Glück hatte ich jetzt 3 Kilo Gepäck weniger und somit Platz für hoffentlich ausreichend Wasser.
Es ging auf Staubstraßen durch ausgedehnte Korkeichenwälder, vorbei an denkmalgeschützten Ruinen, in denen jetzt Ziegen wohnen, die sich einen Scheiß um Denkmalschutz kümmern. Im Gegenteil, den ganzen Tag am meckern sind die! Ab und zu hat man auch eine freie Sicht auf den ein paar Kilometer entfernten Atlantik.
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Ruinas do Convento de Nossa Senhora de Loretto, 15.Jhdt, die Ziegen sind jünger |
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Neben Korkeichen gibts auch Eukalyptus |
Vom der in den Wetterprognosen versprochenen kühlen Brise vom Meer her war nix zu spüren. Hitze und Windstille Kilometer für Kilometer.. Gegen 17 Uhr kam ich ans Tagesziel, den Moinhos do Paneiro. Das is ne alte Mühle, wo der Besitzer Hütten drumrum gebaut hat, antike Möbel rein gestellt hat und diese an Wanderer für 50 Mäuse vermietet. Die waren es auch wert! Ehlich! Da war ein 3-Gänge-Abendessen dabei mit Wein, Sonnenuntergang auf der Terrasse und Frühstück gabs auch. Aber das erst morgens. Bier gabs im Selbstbedienungskühlschrank mit Strichliste des Vertrauens. Außer mir waren noch zwei andere Wanderer da. Ein Belgier und ein Franzmann. Ein lustiger Abend war das. Könnt ihr glauben.
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Rechts steht meine Hütte. Mein Hemd wusch ich jeden Tag. |
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Der Belgier und der Franzmann und der Rübezahl |
Am nächten Tag wankte ich durch die Glut nach Cercal do Alentejo. 18 km auf denen mir kein Mensch begegnete. Die zwei Anderen sind schon morgens um fünf los.18 km meist durch gespenstige Korkeichenwälder. 18 km Staub. Einmal kam ich durch ein Dorf. Vale das Eguas. Ganz klein, aber mit Bar. Was war ich froh, was Kaltes trinken zu dürfen. Ich hatte zwar Wasser dabei, aber damit konnte man Eier kochen.
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Korkeiche (sehr alt) |
Ein kurzes Wort zum Thema Korkeiche: Das Korkeichengeschäft ist kein Job für Hektiker. NEIN! Korkeichen sind nämlich Eichen, deren Rind aus Kork ist. Man pflanzt sie und muss zunächst 7-8 Jahre warten. Dann kann man die das erste mal ernten, heißt schälen. Alle acht Jahre werden die dann wieder geschält. Das tut den Bäumen aber nicht weh. Der Kork wird dann unter anderem zur Firma Birkenstock geschickt, die dann Latschen draus machen. Andere machen Korken für Weinflaschen draus, damit das gute Getränk nicht ausläuft, wenn man volltrunken die Pulle umschmeißt. Handtaschen macht man auch aus Kork, Bodenbeläge und was was ich. Ist ne richtige Industrie. Und die ist nicht verkorkst. Die blüht sogar!
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So dick ist die Korkrinde! |
An einem Stausee kam ich auch vorbei. Doch der war eingezäunt und man durfte nicht baden, weil da Trinkwasser drin war. Da haben die nämlich Angst, das die Leute reinpieseln. Also? Zaun drum!
Irgendwann erreichte ich Cercal do Alentejo und fand auch gleich ein prima Hotel. Dort musste ich erst mal meine Wunden pflegen, denn der Schweiß und der Staub haben mich wund geschmiergelt, an Stellen wo man nicht denkt, das man da wund werden kann. In Fachkreisen nennt man das übrigens Wanderkrätze! Aber halb so wild.
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Ich sag euch: Auwa! |
Ich war trotzdem zufrieden mit mir und der Welt. Die ersten ca.40 Kilometer waren gemeistert.
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Es fehlt das Stück zwischen Santiago do Casem und Vale Seco. Hats irgendwie nicht aufgezeichnet. :-( |
Bis bald im Korkeichenwald: Euer Rübezahl... :-)