Zwischen Himmel und Meer
Immer noch unterwegs im "Parque Natural de Cabo de Gata" von San Jose über La Islete und El Pozo zurück nach San Jose
Mehr Infos zum Naturpark: http://www.degata.com/de/Schon leicht angeröstet und rötlich schimmernd durch die grimmig lachende Sonne ging ich heute von San Jose aus in die entgegengesetzte Richtung von gestern. Und die Richtung war nicht Ost, Süd, West oder Nord. Nein! Zuerst wars die Himmelsrichtung "Nach oben". Steil nach oben ging es auf einem sehr weißen, sehr holprigen Weg direkt in den Himmel. Und heiß war auch schon.
![]() |
Der weiße, steile Himmelspfad |
Oben angekommen gab es erst einmal einen schönen Blick hinüber nach San Jose und hinab zum Mittelmeer. Mein GPS zeigte 150 Meter über dem Meer an. Ein grimmiger Wind versuchte mir den Bart neu zu ordnen. Mein Hut wäre bis nach Marokko gesegelt, wenn ich ihn nicht festgebunden hätte.
Aber wirklich erstaunt war ich über die Tatsache, das die Berge, die gestern westlich von San Jose noch schwarz waren, heute und östlich vom Dorf plötzlich weiß waren. Schneeweiß. Ehrlich. Ich fand das schön.
Von den weißen Bergen rollen ab und zu große weiße Brocken auf den Wanderweg. Eines meiner Augen (das linke) beobachtete die Bergflanke aufmerksam. Das tut nämlich ziemlich weh, wenn man von so einen Stein auch nur gestreift wird. Dabei ist es völlig Wurscht, ob der schwarz oder weiß ist. Spuren eines überrollten Wanderers fand ich aber nicht.
![]() |
Wanderweg wischen Himmel und Meer |
Und der Wind machte mir auch zu schaffen. Er trocknet eine aus. Sonnenbrand ist vorprogrammiert, weil man wegen der Schweiß-Wind-Kühlung nicht merkt, das man gebrutzelt wird.
Meine Wasservorräte nahmen rasant ab, was den Vorteil hat, das der Rucksack leichter wurde. Es war ein einsamer Weg zwischen Himmel und Meer. Das meine Haut langsam die Farbe eines Feuerlöschers annahm, merkte ich nicht. Der Schweiß-Wind-Effekt. Ich Idiot hatte sogar mein T-Shirt ausgezogen...man will ja braun aus den Urlaub kommen. Touristen-Theorie...
Der Weg selbst war jetzt eben. Ich machte ein paar Abstecher in einsame Buchten, die diesmal nicht zum Baden einluden, und wie ich erfahren habe, Tauchparadiese sein sollen. Ich kann da nicht mitreden. Mir ist verbrennen lieber wie absaufen. Von oben sah das Wasser klar aus und die Unterwasserwelt ist bestimmt spektakulär.
Tauchparadiese |
Es gibt Leute, die mich fragten, ob das Meer wirklich so blau ist. Antwort: Jaaaa! Diese Bilder sind NICHT nachgearbeitet!
Irgendwann kommt man nach Los Escullos. Drei Häuser und ein rießiges Hotel prägen den Ort. Und ein schöner völlig menschenleerer Strand. Ach so: das Castillo de San Felipe gibts auch. Sieht gut aus von außen. Kostet keinen Eintritt, weil man erst gar nicht reinkommt. Ist alles abgeschlossen. Das fand ich schade. Und noch mal "ach so": Beeindruckende, von Wind und Wasser geformte Uferfelsen gibt es auch noch. Weiße Uferfelsen!
Links ist das Castillo |
Um euch zum Kopfschütteln zu bringen, habe ich im Hotel "Los Escullos" ein eiskaltes halblitergroßes Cruzcampo (bei der Hitze!!!), serviert in einem millimeterdick mit Reif beschlagenem Glas aus der Tiefkühltruhe, genossen. Ein so serviertes Bier ist einfach ein Schmaus für Kehle und Augen. Aber Bier in der Hitze? Egal! Andere Gäste sah ich in dem durchaus schönen Hotel nicht.
Mit dem kalten Bier im verbrannten Bauch ging es dann in Richtung La Isleta del Moro und dann weiter ins Landesinnere, sprich in die Wüste. Kakteen, Agaven und vertrocknetes Gras gaben der Landschaft einen durstigen Anblick. Durst hatte ich auch schon wieder. Der Wanderweg führte kilometerlang durch eine Rambla. So nennt man hier Flussbetten, in denen Wasser eine seltene Erscheinung ist.
Irgendwann stand ich vor einem Zaun. Das ist eigentlich nix Besonderes, nur die Wanderwegmarkierung HINTER dem Zaun brachte mich schon ins grübeln. Wie soll ich denn dem Weg folgen, wenn ein Zaun mich daran hindert? Drüberklettern? Ja oder nein? Wenn ja, gibt es da Hunde? Wenn nein, wo komme ich hin, wenn ich dem Zaun umgehen würde?
Kurz: Ich bin drüber geklettert und Hund gabs zum Glück keine. Komisch nur, man erwartet ja, wenn man irgendwo reinklettert, das man auch irgendwo wieder raus klettern muss. Logisch, wenn etwas eingezäunt ist. Hier war das nicht der Fall. Dieser Zaun zäunte nix ein und Rausklettern musste ich auch nirgends.
Zaun der nix einzäunt nach dem Überklettern und Wegmarkierung auf Holzpfahl |
Nachdem ich hinterm Zaun ein paar Kilometer mit Bauchschmerzen gegangen bin, wegen der zu erwartender Grundbesitzer mit geifernden Kötern, welche aber doch nicht kamen, ging es nochmal durch ein ausgestorben scheinendes Dörflein mit gepflegten, schneeweißen Häusern und einem Brunnen aus dem Mittelalter. Angeblich waschen die Frauen ihre Wäsche immer noch hier. Spanische Männer waschen nicht.
Weiter ging der markierte (!)Weg durch ein ausgetrocknetes Flussbett, in dem ich auch den Knochen fand, den ich auf dem Startbild in der Hand halte.
Mein T-Shirt hatte ich längst wieder an und extra noch Ersatztshirts (hab ich immer dabei) so an mir befestigt, das sie meine mittlerweile verbrannten Arme schützten. Ich sah aus wie ne Vogelscheuche für Arme. Zum Glück hatte ich ne lange Hose an!
Große Agave und kleiner Rübezahl |
Gegen 18:00 Uhr kam ich zurück nach San Jose. Unter der Dusche kam mir kaltes Wasser heiß vor und das Abtrocknen ließ ich vor Schmerzen sein. Das war kein Sonnenbrand, das war das Höllenfeuer. Ich wusste schon jetzt, das ich morgen nicht in die Wüste gehen werde, ob ich will, oder nicht. Lehrgeld muss man zahlen. Und für Sonnenschutz auch, was ich in Zukunft gerne tat.
Als die Sonne weg war, traute ich mich doch nochmal raus und ging in meine auserwählte Stammkneipe. Lecker Essen und ein paar neue Freunde, die sogleich meine Hautfarbe belächelten, warteten schon. Mein berühmtes Belohnungsweizen gabs nicht. Weizenbier ist ein unbekanntes Wesen hier. Das spanische Bier ist auch OK.
![]() |
Meine Lieblingskneipe in San Jose, völlig touristenfrei außer mir |
Die klitzekleinen familiären spanischen Bars liebe ich besonders. In dieser hier fährt der Wirt höchstpersönlich zum Fischen aufs Meer, und was er morgens fängt, liegt abends auf dem Tisch. Ist das nicht Klasse? Deshalb war ich jeden Tag hier zum Essen. Billig und gut.
Gehe jetzt meinen Sonnenbrand pflegen...
Bis bald im Wald, euer oller Waldkauz Rübezahl...oder besser: Mich siehste in der Wüste....
PS: Die Daten fehlen noch!
Tourlänge: 23.3km, Höhe Start: 5m, Höhe Ziel: 4m, Höchster Punkt: 143m, Tiefster Punkt: 0m, Höhendifferenz: 143m, Aufstieg: 533m, Abstieg: 534m